Wenn es mit dem Wunschkind nicht klappt, richtet sich der Blick oft zuerst auf die Frau. Dabei spielt die Fruchtbarkeit beim Mann eine ebenso große Rolle. Probleme liegen etwa genauso häufig beim Partner, und viele davon lassen sich gut erkennen und teilweise auch beeinflussen.
Für viele Männer ist das Thema trotzdem mit Unsicherheit verbunden. Dieser Ratgeber zeigt dir und deinem Partner, wie Spermien entstehen, was die männliche Fruchtbarkeit stört, wie ein Spermiogramm abläuft und was ihr im Alltag konkret tun könnt.
Kurz gesagt: Die Fruchtbarkeit des Mannes hängt von Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien ab. Hormonstörungen, Erkrankungen der Hoden, Rauchen, viel Alkohol, Anabolika und Drogen können sie mindern. Klarheit bringt ein Spermiogramm. Weil Spermien gut drei Monate heranreifen, wirken Veränderungen im Lebensstil erst mit Verzögerung.
Warum die Fruchtbarkeit beim Mann so wichtig ist
Bei einem unerfüllten Kinderwunsch liegen die Ursachen laut familienplanung.de in etwa 30 bis 40 Prozent der Fälle beim Mann. Das entspricht ungefähr dem Anteil bei Frauen. Bei 20 bis 30 Prozent der Paare finden sich Einschränkungen bei beiden Partnern.
Für euch als Paar heißt das: Lasst euch von Anfang an gemeinsam untersuchen. Die Diagnostik beim Mann ist vergleichsweise einfach und schnell erledigt. Sie erspart der Frau unter Umständen aufwendige Untersuchungen, die sonst zuerst angegangen würden.
Wann sollte ein Mann seine Fruchtbarkeit prüfen lassen?
Als Orientierung gilt: Seid ihr nach einem Jahr mit regelmäßigem, ungeschütztem Sex nicht schwanger geworden, sollten beide Partner ärztlichen Rat suchen. Ist deine Partnerin über 35, lohnt sich ein früherer Termin, weil ihre Fruchtbarkeit mit dem Alter deutlicher sinkt.
Unabhängig von der Wartezeit ist eine frühe Abklärung der Fruchtbarkeit beim Mann sinnvoll, wenn es bekannte Risikofaktoren gibt. Dazu zählen ein Hodenhochstand in der Kindheit, eine Mumpsinfektion nach der Pubertät, Operationen in der Leiste, eine frühere Krebsbehandlung oder die Einnahme von Anabolika. Auch tastbare Veränderungen am Hoden gehören immer in ärztliche Hände.
Wie die gesamte Abklärung für beide Partner abläuft, liest du in unserem Ratgeber zur Kinderwunsch-Untersuchung.
So entstehen Spermien: ein Prozess von gut drei Monaten
Ab der Pubertät produzieren die Hoden täglich Millionen Samenzellen. Bis eine Samenzelle vollständig ausgereift ist, vergehen allerdings gut drei Monate. In dieser Zeit entwickelt sie sich in den Hoden und reift anschließend im Nebenhoden nach.
Dieser lange Zeitraum hat eine wichtige Konsequenz. Was dein Partner heute an seinem Lebensstil ändert, zeigt sich erst in etwa drei Monaten im Spermiogramm. Umgekehrt kann eine fieberhafte Erkrankung die Spermienqualität noch Wochen später beeinflussen.
Ein paar Zahlen helfen bei der Einordnung:
- Pro Samenerguss gibt der Mann etwa 2 bis 6 Milliliter Ejakulat ab.
- Spermien machen davon nur rund 5 Prozent aus, den Rest bildet die Samenflüssigkeit.
- In einem Milliliter befinden sich meist 20 bis 60 Millionen Spermien.
- Im Körper der Frau überleben Spermien bis zu fünf Tage, im Durchschnitt zwei bis drei.
Die lange Überlebensdauer erklärt, warum Sex schon einige Tage vor dem Eisprung zu einer Schwangerschaft führen kann. Wie ihr eure fruchtbaren Tage bestimmt, zeigt unser Artikel Eisprung berechnen.
Was die Fruchtbarkeit des Mannes beeinträchtigt
Die Ursachen für eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit sind vielfältig. Manche sind angeboren, andere entstehen durch Erkrankungen oder den Lebensstil. Bei einem Teil der Männer bleibt die Ursache trotz gründlicher Untersuchung unklar.
Körperliche Ursachen
- Hormonstörungen: Zu wenig FSH, LH oder Testosteron oder zu viel Prolaktin stören die Spermienbildung.
- Erkrankungen der Hoden: Ein Hodenhochstand in der Kindheit, eine Mumpsinfektion, eine Hodenverdrehung oder genetische Besonderheiten wie das Klinefelter-Syndrom können das Gewebe schädigen.
- Krampfadern am Hoden: Eine Varikozele betrifft etwa jeden fünften Mann. Ob sie die Fruchtbarkeit tatsächlich mindert, ist im Einzelfall oft unklar.
- Transportprobleme: Verengte oder fehlende Samenleiter, etwa nach Infektionen oder Operationen, verhindern, dass Spermien nach außen gelangen.
- Infektionen: Entzündungen im Genitalbereich, zum Beispiel durch Chlamydien, können Samenwege verkleben.
Lebensstil und äußere Einflüsse
Längeres Rauchen und starker Alkoholkonsum können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, darauf weist auch das Gesundheitsportal gesund.bund.de hin. Besonders stark wirken Anabolika und Testosteronpräparate aus dem Kraftsport. Sie bremsen die körpereigene Hormonproduktion und damit die Spermienbildung, teilweise über lange Zeit.
Auch Drogen wie Cannabis und Opioide können das Hormonsystem stören. Zudem stehen starkes Übergewicht, häufige Hitze im Genitalbereich und bestimmte Medikamente im Verdacht, die Spermienqualität zu verschlechtern. Sprich Medikamente nie eigenmächtig ab, sondern kläre Fragen dazu mit deinem Arzt.
Und das Alter? Männer können zwar ihr Leben lang Spermien bilden, ihre Fruchtbarkeit nimmt mit den Jahren aber ab. Der Effekt fällt schwächer aus als bei Frauen, spielt bei der Familienplanung aber durchaus eine Rolle.
Spermiogramm: der wichtigste Test für die männliche Fruchtbarkeit
Das Spermiogramm ist die zentrale Untersuchung, wenn es um die Fruchtbarkeit beim Mann geht. Ein Labor untersucht dabei eine Samenprobe unter dem Mikroskop und bewertet Menge, Konzentration, Beweglichkeit und Form der Spermien.
So läuft die Untersuchung in der Regel ab:
- Termin vereinbaren in einer urologischen oder andrologischen Praxis oder einem Kinderwunschzentrum.
- Drei bis fünf Tage enthaltsam sein, also keinen Samenerguss haben.
- Probe gewinnen durch Selbstbefriedigung, meist in einem separaten Raum der Praxis.
- Bei Abgabe zu Hause die Probe nach Absprache in einem speziellen Gefäß transportieren und innerhalb einer Stunde abgeben. Gleitmittel sind dabei tabu.
- Befund besprechen und bei auffälligen Werten den Test nach acht bis zwölf Wochen wiederholen.
Welche Werte gelten als unauffällig?
Die Weltgesundheitsorganisation hat in ihrem Laborhandbuch von 2021 untere Referenzwerte festgelegt. Sie beschreiben, was fruchtbare Männer mindestens erreichen:
- Ejakulatvolumen: mindestens 1,4 Milliliter
- Spermienkonzentration: mindestens 16 Millionen pro Milliliter
- Gesamtzahl: mindestens 39 Millionen Spermien pro Ejakulat
- Vorwärtsbeweglichkeit: mindestens 30 Prozent
- Normal geformte Spermien: mindestens 4 Prozent
Liegt ein Wert darunter, heißt das nicht automatisch, dass ihr kein Kind bekommen könnt. Die Spermienqualität schwankt stark, deshalb zählt immer das Gesamtbild aus mehreren Untersuchungen. Spermientests für zu Hause zeigen nur, ob die Konzentration über einem Grenzwert liegt, und ersetzen kein vollständiges Spermiogramm.
Weitere Untersuchungen beim Urologen oder Andrologen
Je nach Ergebnis des Spermiogramms folgen weitere Schritte. Ein ausführliches Gespräch klärt frühere Erkrankungen, Operationen, Medikamente und Gewohnheiten. Danach tastet der Arzt Hoden, Nebenhoden und Samenleiter ab.
Ein Ultraschall der Hoden zeigt Größe und Gewebestruktur und macht Krampfadern sichtbar. Bei sehr wenigen Spermien bestimmt das Labor Hormone wie FSH, LH, Testosteron und Prolaktin. Erhöhte FSH-Werte deuten auf eine Schädigung des Hodengewebes hin.
Liegen weniger als 10 Millionen Spermien pro Milliliter vor oder fehlen sie ganz, empfehlen Ärzte meist eine genetische Untersuchung. Finden sich gar keine Spermien im Ejakulat, kann eine Gewebeentnahme aus dem Hoden klären, ob dort Samenzellen gebildet werden. Gefundene Spermien lassen sich einfrieren und später für eine Behandlung nutzen. Einen guten Überblick über alle Untersuchungen bietet familienplanung.de.
7 Tipps: So unterstützt du die Fruchtbarkeit beim Mann
Nicht jede Ursache lässt sich beeinflussen. Für die Fruchtbarkeit des Mannes schafft ein gesunder Alltag aber gute Voraussetzungen, denn er unterstützt die Spermienbildung. Da die Reifung gut drei Monate dauert, lohnt es sich, frühzeitig zu starten.
- Rauchstopp: Verzichte auf Zigaretten, am besten gemeinsam mit deiner Partnerin.
- Alkohol reduzieren: Trinke wenig oder gar keinen Alkohol.
- Finger weg von Anabolika: Verzichte auf Anabolika, Testosteronpräparate ohne ärztliche Indikation und Drogen.
- Gewicht im Blick: Strebe ein gesundes Körpergewicht an, starkes Übergewicht kann den Hormonhaushalt belasten.
- Bewegung: Treibe regelmäßig moderaten Sport, zum Beispiel Laufen, Radfahren oder Schwimmen.
- Ausgewogen essen: Setze auf viel Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchte.
- Medikamente prüfen: Sprich mit deinem Arzt über Dauermedikamente, wenn ihr ein Kind plant.
Auch das Timing zählt. Viele Fachleute raten Paaren mit Kinderwunsch zu regelmäßigem Sex etwa alle zwei bis drei Tage, statt alles auf den einen vermuteten Eisprungtag zu setzen. Das nimmt Druck raus und sorgt dafür, dass zum richtigen Zeitpunkt bewegliche Spermien bereitstehen. Hat es geklappt, verrät dir unser Ratgeber Schwangerschaftstest: Ab wann ist das Ergebnis sicher?, wann sich das Testen lohnt.
Für deine Partnerin gehört außerdem die tägliche Einnahme von Folsäure zur Vorbereitung. Warum, erfährst du im Beitrag Folsäure bei Kinderwunsch. Gemeinsam an einem Strang zu ziehen, motiviert und stärkt euch als Paar.
Behandlungsmöglichkeiten bei eingeschränkter Fruchtbarkeit
Welche Behandlung infrage kommt, hängt von der Ursache ab. Hormonstörungen lassen sich teilweise mit Medikamenten ausgleichen. Verschlossene Samenwege können manchmal operiert werden. Bei einer Varikozele wägt der Arzt individuell ab, ob ein Eingriff sinnvoll ist.
Reicht das nicht aus, helfen Verfahren der Reproduktionsmedizin. Bei einer Insemination werden aufbereitete Spermien zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt in die Gebärmutter gegeben. Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) findet die Befruchtung im Labor statt. Bei der ICSI spritzt eine Fachkraft ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle, was auch bei sehr wenigen Spermien eine Chance eröffnet.
Für eine künstliche Befruchtung übernehmen gesetzliche Krankenkassen grundsätzlich die Hälfte der Kosten, wenn das Paar verheiratet ist und beide mindestens 25 Jahre alt sind. Die Altersgrenze liegt für Frauen bei 40 und für Männer bei 50 Jahren. Zusätzlich gibt es in vielen Bundesländern Förderprogramme.
Ein Sonderfall ist eine geplante Krebsbehandlung. Chemo- und Strahlentherapie können die Spermienbildung dauerhaft schädigen. Männer können ihre Samenzellen deshalb vorher einfrieren lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kryokonservierung unter bestimmten Voraussetzungen, die untere Altersgrenze von 25 Jahren gilt dabei nicht.
Wichtig ist vor allem eines: Eine eingeschränkte männliche Fruchtbarkeit ist kein persönliches Versagen, sondern eine medizinische Diagnose. Sprecht offen darüber und holt euch Unterstützung, etwa in einer psychosozialen Kinderwunschberatung.
Häufige Fragen zur Fruchtbarkeit beim Mann
Wie kann ein Mann seine Fruchtbarkeit testen lassen?
Der wichtigste Test ist das Spermiogramm in einer urologischen oder andrologischen Praxis oder einem Kinderwunschzentrum. Vorher sollte der Mann drei bis fünf Tage auf einen Samenerguss verzichten. Je nach Ergebnis folgen Ultraschall, Hormonbestimmung oder weitere Untersuchungen.
Wie lange dauert es, bis sich die Spermienqualität verbessert?
Eine Samenzelle braucht gut drei Monate, bis sie vollständig ausgereift ist. Veränderungen im Lebensstil wie ein Rauchstopp zeigen sich deshalb frühestens nach etwa drei Monaten im Spermiogramm.
Welche Spermienkonzentration ist normal?
Nach dem WHO-Laborhandbuch von 2021 liegt der untere Referenzwert bei 16 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat. Meist finden sich 20 bis 60 Millionen pro Milliliter. Ein einzelner niedriger Wert sollte nach acht bis zwölf Wochen kontrolliert werden.
Was schadet der Fruchtbarkeit beim Mann am meisten?
Besonders stark wirken Anabolika und Testosteronpräparate, weil sie die körpereigene Spermienbildung bremsen. Auch Rauchen, starker Alkoholkonsum, Drogen sowie Erkrankungen wie Mumps oder ein Hodenhochstand in der Kindheit können die Fruchtbarkeit mindern.
Nimmt die Fruchtbarkeit des Mannes mit dem Alter ab?
Ja, auch wenn Männer ihr Leben lang Spermien bilden können, sinkt ihre Fruchtbarkeit mit den Jahren. Der Effekt ist schwächer als bei Frauen. Für die Kostenübernahme einer künstlichen Befruchtung gilt bei Männern eine Altersgrenze von 50 Jahren.
Wer zahlt das Spermiogramm?
Bei Verdacht auf eine Fruchtbarkeitsstörung übernehmen gesetzliche Krankenkassen die ärztlichen Untersuchungen vollständig. Dazu gehört auch das Spermiogramm. Bei privater Versicherung hängt die Erstattung vom Vertrag ab.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung durch deine Hebamme, Ärztin oder deinen Arzt.
