Übelkeit in der Schwangerschaft: Was wirklich hilft und wann du zur Ärztin solltest

Übelkeit in der Schwangerschaft trifft die meisten Frauen. Erfahre, was hilft, wie lange sie dauert und wann starkes Erbrechen ärztliche Hilfe braucht.

Übelkeit in der Schwangerschaft: Was wirklich hilft

Der Kaffeeduft, der dir früher gute Laune machte, treibt dich plötzlich ins Bad. Willkommen in der Frühschwangerschaft. Übelkeit in der Schwangerschaft gehört zu den häufigsten Beschwerden überhaupt und kann deinen Alltag ordentlich durcheinanderbringen.

Die gute Nachricht: Du bist damit nicht allein, und es gibt wirksame Strategien. In diesem Ratgeber erfährst du, woher die Übelkeit kommt, was im Alltag wirklich hilft und ab wann du ärztliche Unterstützung brauchst.

Kurz gesagt: Übelkeit in der Schwangerschaft betrifft rund 80 Prozent der Frauen in den ersten drei Monaten und klingt meist im vierten Monat ab. Kleine, häufige Mahlzeiten, ein Snack vor dem Aufstehen, viel Trinken und Ingwer helfen vielen. Bei mehr als fünfmaligem Erbrechen täglich oder Gewichtsverlust solltest du ärztliche Hilfe suchen.

Übelkeit in der Schwangerschaft: Wie häufig und wie lange?

Laut familienplanung.de leiden etwa 80 Prozent der Schwangeren in den ersten drei Monaten unter Übelkeit. Ein Teil von ihnen muss sich zusätzlich übergeben. Der Begriff „Morgenübelkeit“ führt dabei in die Irre, denn die Beschwerden können zu jeder Tageszeit auftreten.

Typischerweise beginnt die Übelkeit um die 5. bis 6. Schwangerschaftswoche. Ihren Höhepunkt erreicht sie meist um die 9. Woche, oft also noch bevor du die Schwangerschaft im Freundeskreis verkündet hast. Viele Frauen bemerken sie sogar als eines der ersten Anzeichen einer Schwangerschaft.

Bei den meisten Betroffenen bessert sich die Lage im vierten Monat deutlich. Rund um das Ende des ersten Trimesters in SSW 12 atmen viele auf. Etwa jede fünfte Frau hat allerdings die ganze Schwangerschaft über mit Übelkeit zu tun.

Häufig kommen Geruchs- und Geschmacksveränderungen dazu. Bestimmte Lebensmittel, oft Fleisch, oder Gerüche wie Parfum lösen plötzlich Ekel aus.

Übelkeit im späteren Verlauf

Tritt die Übelkeit erst im zweiten oder dritten Trimester neu auf, lohnt sich ein genauerer Blick. Dann können auch andere Ursachen dahinterstecken, etwa Magen-Darm-Infekte, Sodbrennen oder seltener Erkrankungen, die ärztlich abgeklärt werden sollten.

Sprich neue oder plötzlich stärkere Beschwerden deshalb bei der nächsten Vorsorge an. Kommen Kopfschmerzen, Sehstörungen, Oberbauchschmerzen oder Fieber hinzu, wartest du nicht bis zum nächsten Termin, sondern meldest dich sofort in der Praxis oder Klinik.

Woher die Übelkeit kommt

Die genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass die hormonelle Umstellung eine zentrale Rolle spielt. Besonders das Schwangerschaftshormon hCG steigt in den ersten Wochen rasant an, ebenso das Östrogen.

Neuere Forschung rückt zudem das Hormon GDF-15 in den Fokus, das vom ungeborenen Kind gebildet wird. Passend dazu verstärkt sich die Übelkeit in der Schwangerschaft oft bei höheren Hormonspiegeln, etwa bei Zwillingen.

Auch das Progesteron spielt mit: Es entspannt die Muskulatur und verlangsamt so die Verdauung. Der Magen leert sich langsamer, was ein Völlegefühl begünstigt.

Ein hartnäckiger Mythos lautet, Übelkeit sei ein Zeichen dafür, dass eine Frau ihre Schwangerschaft innerlich ablehnt. Dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Allerdings können Stress und psychische Belastung die Beschwerden verstärken.

Was im Alltag gegen Übelkeit in der Schwangerschaft hilft

Ein Patentrezept gibt es nicht. Was der einen hilft, wirkt bei der anderen gar nicht. Probiere deshalb in Ruhe aus, welche Strategien dir guttun.

Oft wirkt erst die Kombination mehrerer kleiner Maßnahmen. Gib jeder Idee ein paar Tage Zeit, bevor du sie verwirfst. Die Übelkeit in der Schwangerschaft schwankt ohnehin von Tag zu Tag.

Richtig essen

Ein leerer Magen verstärkt die Übelkeit bei vielen Frauen. Diese Ernährungstipps haben sich bewährt:

  • Kleine Portionen: Iss lieber fünf bis sechs kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt statt drei große.
  • Snack vor dem Aufstehen: Leg dir Zwieback, Salzcracker oder einen Keks ans Bett und iss etwas, bevor du aufstehst.
  • Früh essen: Warte nicht, bis der Hunger groß ist, sondern iss rechtzeitig.
  • Schonkost wählen: Bananen, Reis, Toast, Kartoffeln oder Apfelmus werden oft gut vertragen.
  • Meiden: Sehr fettige, sehr süße oder stark gewürzte Speisen belasten den Magen zusätzlich.

Mach dir in den ersten Wochen keinen Druck mit dem perfekten Speiseplan. Iss, was du bei dir behältst. Sobald es dir besser geht, kannst du dich wieder stärker an den Empfehlungen zur Ernährung in der Schwangerschaft orientieren.

Ausreichend trinken

Gerade wenn du dich übergibst, verlierst du Flüssigkeit. Trinke deshalb regelmäßig kleine Schlucke, etwa Wasser, verdünnte Säfte oder milde Kräutertees. Manchen hilft es, zwischen den Mahlzeiten statt zum Essen zu trinken.

Auf Kaffee, schwarzen Tee und kohlensäurehaltige Getränke zu verzichten, kann die Übelkeit laut familienplanung.de ebenfalls lindern. Teste, was dein Magen verträgt.

Auslöser erkennen

Führe für ein paar Tage ein kurzes Übelkeitstagebuch. Notiere, wann die Übelkeit auftritt und was vorher war. Oft entdeckst du so Auslöser wie Kochgerüche, Parfum, stickige Räume oder lange Pausen zwischen den Mahlzeiten.

Hilfreich ist auch frische Luft. Lüfte regelmäßig, geh spazieren und überlass das Kochen intensiv riechender Gerichte wenn möglich deinem Partner oder deiner Partnerin.

Auch Müdigkeit verstärkt bei vielen Frauen die Übelkeit. Plane deshalb ausreichend Schlaf ein und leg dich tagsüber hin, wenn dein Körper danach verlangt. Langsames Aufstehen am Morgen schont zusätzlich den Kreislauf.

Ingwer, Vitamin B6 und Akupressur: Was Hausmittel leisten

Rund um Übelkeit in der Schwangerschaft kursieren unzählige Hausmittel. Einige davon sind gut untersucht, andere beruhen eher auf Erfahrungswerten.

Frische Ingwerwurzel als bewährtes Hausmittel gegen Übelkeit in der Schwangerschaft

Ingwer ist der Klassiker. Laut familienplanung.de kann er die Übelkeit lindern, auf das Erbrechen hat er aber kaum Einfluss. Bis zu 2,5 Gramm pro Tag, über den Tag verteilt, gelten in der Schwangerschaft als unbedenklich. Du kannst Ingwer als Tee, frisch gerieben oder als Kapsel nehmen.

Vitamin B6 (Pyridoxin) gilt als weitere Option. Laut MSD Manual kommt es häufig als erster Behandlungsschritt zum Einsatz. Nimm hochdosierte Präparate aber nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin oder Hebamme.

Akupressurbänder, die am Handgelenk auf den sogenannten Punkt P6 drücken, empfinden manche Frauen als hilfreich. Auch Akupunktur bei einer erfahrenen Hebamme oder Ärztin probieren manche aus. Schaden richten diese Methoden in der Regel nicht an.

Vorsicht gilt bei pflanzlichen Mitteln und Nahrungsergänzungen aus dem Internet. Viele Produkte sind nicht auf ihre Sicherheit in der Schwangerschaft geprüft. Sprich deshalb jede Einnahme vorher ab.

Medikamente: Wann deine Ärztin helfen kann

Reichen Hausmittel gegen die Übelkeit in der Schwangerschaft nicht aus, musst du dich nicht einfach durchbeißen. Es gibt Medikamente gegen Übelkeit, die in der Schwangerschaft eingesetzt werden können. In Deutschland ist zum Beispiel ein verschreibungspflichtiges Kombinationspräparat aus Doxylamin und Pyridoxin (Vitamin B6) zugelassen.

Welches Mittel für dich infrage kommt, entscheidet deine Ärztin nach einem Gespräch über deine Beschwerden. Nimm bitte keine Medikamente auf eigene Faust, auch keine rezeptfreien.

Ein Tipp für den Alltag: Auch eisenhaltige Präparate können auf den Magen schlagen. Verträgst du deine Tabletten schlecht, frag in der Praxis, ob du die Einnahmezeit verschieben oder auf ein anderes Präparat wechseln kannst. Folsäure und Jod solltest du dabei nicht einfach weglassen.

Hyperemesis gravidarum: Wenn es mehr als Übelkeit ist

Bei einem kleinen Teil der Frauen geht die Übelkeit in der Schwangerschaft deutlich über das normale Maß hinaus. Fachleute sprechen dann von Hyperemesis gravidarum, also übermäßigem Schwangerschaftserbrechen. Das ist eine ernstzunehmende Erkrankung, keine Frage der Willensstärke.

Diese Warnzeichen solltest du kennen:

  • du erbrichst dich mehr als fünfmal am Tag
  • du verlierst mehr als 5 Prozent deines Körpergewichts, bei 70 Kilogramm also mehr als 3,5 Kilogramm
  • du kannst kaum noch essen oder trinken
  • du bemerkst Zeichen von Flüssigkeitsmangel wie wenig oder dunklen Urin, trockenen Mund, Schwindel beim Aufstehen oder Herzrasen
  • du hast zusätzlich Fieber oder Bauchschmerzen

Trifft einer dieser Punkte zu, geh zeitnah zu deiner Frauenärztin oder in die Klinik. Dort kann man dir mit Infusionen und Medikamenten helfen und Komplikationen wie Elektrolytstörungen vermeiden. Hintergründe und Tipps findest du auch auf der Seite zu Übelkeit und Erbrechen bei familienplanung.de sowie im MSD Manual zu Übelkeit in der Frühschwangerschaft.

Alltag, Job und Psyche: So kommst du durch die Wochen

Übelkeit in der Schwangerschaft zehrt an den Kräften, körperlich wie seelisch. Viele Frauen fühlen sich zusätzlich unter Druck, weil sie die Schwangerschaft im Job noch nicht öffentlich gemacht haben. Diese Schritte können dir den Alltag erleichtern:

  1. Ehrlich kommunizieren: Weihe zumindest deinen Partner oder eine Vertrauensperson ein, damit du Unterstützung im Haushalt bekommst.
  2. Vorräte anlegen: Pack dir Cracker, Nüsse und eine Wasserflasche in Tasche und Schreibtisch.
  3. Pausen einplanen: Gönn dir kurze Auszeiten an der frischen Luft, auch während der Arbeitszeit.
  4. Krankschreibung nutzen: Geht es gar nicht, kann deine Ärztin dich krankschreiben. Das ist völlig legitim.
  5. Hebamme ins Boot holen: Eine Hebamme begleitet dich schon in der Schwangerschaft und kennt viele praktische Tricks.
Frau ruht entspannt auf dem Sofa, um Übelkeit in der Schwangerschaft zu lindern

So kann dein Partner unterstützen

Übelkeit in der Schwangerschaft betrifft nicht nur dich, sondern den ganzen Alltag zu zweit. Partnerinnen und Partner können viel abfedern: Sie übernehmen das Kochen, bringen morgens den Zwieback ans Bett und halten stark riechende Lebensmittel aus deiner Nähe fern.

Mindestens genauso wichtig ist Verständnis. Sätze wie „Reiß dich zusammen“ helfen niemandem. Wer zuhört, Termine begleitet und dir den Rücken freihält, leistet echte Unterstützung.

Eine Hebamme lohnt sich übrigens früh. Hebammen sind vielerorts knapp, deshalb erklärt unser Ratgeber, warum du frühzeitig eine Hebamme suchen solltest.

Und wenn die Übelkeit endlich nachlässt, wartet oft schon die nächste typische Beschwerde: Im späteren Verlauf klagen viele Schwangere über Sodbrennen. Auch dagegen helfen kleine Mahlzeiten und ein bewusster Umgang mit dem Essen.

Häufige Fragen zu Übelkeit in der Schwangerschaft

Wann beginnt die Übelkeit in der Schwangerschaft?

Die Übelkeit setzt meist um die 5. bis 6. Schwangerschaftswoche ein und erreicht um die 9. Woche ihren Höhepunkt. Bei manchen Frauen beginnt sie früher, bei anderen bleibt sie ganz aus. Beides ist normal.

Wie lange dauert die Übelkeit in der Schwangerschaft?

Bei den meisten Frauen klingt sie im vierten Schwangerschaftsmonat ab. Etwa jede fünfte Schwangere hat laut familienplanung.de jedoch die ganze Schwangerschaft über mit Übelkeit zu tun. Hält sie lange an oder wird sie stärker, sprich mit deiner Praxis.

Ist Übelkeit ein Zeichen für eine gesunde Schwangerschaft?

Übelkeit ist sehr häufig und gehört für viele zur Frühschwangerschaft dazu. Fehlt sie, ist das aber kein Warnsignal: Viele Frauen erleben eine völlig gesunde Schwangerschaft ganz ohne Übelkeit.

Wie viel Ingwer ist in der Schwangerschaft erlaubt?

Bis zu 2,5 Gramm Ingwer pro Tag, über den Tag verteilt, gelten laut familienplanung.de in der Schwangerschaft als unbedenklich. Ingwer kann die Übelkeit lindern, das Erbrechen aber kaum. Bei Kapseln oder Nahrungsergänzungsmitteln fragst du vorher in deiner Praxis nach.

Wann sollte ich mit Übelkeit in der Schwangerschaft zum Arzt?

Geh zeitnah zu deiner Ärztin, wenn du dich mehr als fünfmal am Tag übergibst, deutlich an Gewicht verlierst oder kaum noch essen und trinken kannst. Auch Anzeichen von Flüssigkeitsmangel wie wenig Urin, Schwindel oder Herzrasen, Fieber oder Bauchschmerzen gehören ärztlich abgeklärt.

i

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung durch deine Hebamme, Ärztin oder deinen Arzt.

Weiterlesen

Mehr aus Gesundheit & Ernährung und anderen Ressorts

Nach oben scrollen