Plötzlich wird dein Bauch hart, ein Ziehen breitet sich im Rücken aus, und du fragst dich: Ist das jetzt der Anfang? Kaum eine Frage beschäftigt Schwangere in den letzten Wochen so sehr wie diese. Wehen erkennen zu können, gibt dir Sicherheit und hilft dir, im richtigen Moment ruhig zu handeln.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Wehenarten es gibt, wie sie sich anfühlen und woran du echte Geburtswehen von Übungs- oder Senkwehen unterscheidest. Außerdem erklären wir dir, wann du in die Klinik fahren solltest und bei welchen Warnzeichen du nicht abwarten darfst.
Wie kannst du Wehen erkennen? Echte Geburtswehen kommen regelmäßig, werden mit der Zeit stärker, länger und häufiger und lassen auch bei Ruhe oder in der Badewanne nicht nach. Zu Beginn dauert eine Wehe etwa 30 bis 60 Sekunden. Übungs- und Senkwehen bleiben dagegen unregelmäßig, kurz und meist gut auszuhalten.
Was Wehen eigentlich sind
Wehen sind Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur. Gesteuert werden sie vor allem vom Hormon Oxytocin, das dein Körper gegen Ende der Schwangerschaft verstärkt ausschüttet. Die Gebärmutter zieht sich dabei zusammen, der Bauch wird hart und entspannt sich anschließend wieder.
Nicht jede Wehe bedeutet, dass die Geburt beginnt. Dein Körper bereitet sich über Wochen auf die Geburt vor und trainiert dafür regelrecht. Erst die regelmäßigen Geburtswehen öffnen den Muttermund und schieben dein Baby schließlich durch den Geburtskanal.
Wie sich Wehen anfühlen, beschreibt jede Frau anders. Manche spüren ein Ziehen wie bei starken Regelschmerzen, andere vor allem einen Druck im Kreuzbein oder ein Hartwerden des ganzen Bauches. Das macht das Wehen erkennen am Anfang so schwierig.
Die Wehenarten im Überblick
Um Wehen erkennen und einordnen zu können, hilft ein Blick auf die verschiedenen Arten. Sie treten zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf und haben jeweils eine eigene Aufgabe.
- Übungswehen: Sie können schon ab etwa der Mitte der Schwangerschaft auftreten. Der Bauch wird für einige Sekunden hart, meist schmerzlos und unregelmäßig.
- Senkwehen: In den letzten Wochen vor der Geburt rutscht dein Baby tiefer ins Becken. Die Wehen sind unregelmäßig, kurz und meist kaum schmerzhaft.
- Vorwehen: Kurz vor der Geburt werden sie häufiger, bleiben aber unregelmäßig und leicht. Du kannst dich dabei noch gut unterhalten.
- Eröffnungswehen: Sie kommen regelmäßig, werden stärker und öffnen den Muttermund auf etwa zehn Zentimeter.
- Presswehen: Sie setzen in der Austrittsphase ein und erzeugen einen starken Drang zu pressen.
- Nachgeburtswehen und Nachwehen: Sie lösen die Plazenta und helfen der Gebärmutter in den Tagen nach der Geburt, sich zurückzubilden.
Übungswehen: das Training deiner Gebärmutter
Übungswehen, oft auch Braxton-Hicks-Kontraktionen genannt, sind ein normales Zeichen dafür, dass deine Gebärmutter arbeitet. Sie fühlen sich eher wie ein Spannen als ein Schmerz an. Häufig treten sie nach körperlicher Anstrengung, bei voller Blase oder abends in Ruhe auf.
Werden diese Kontraktionen vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche regelmäßig oder schmerzhaft, solltest du deine Frauenärztin oder die Klinik kontaktieren. Dann muss geklärt werden, ob es sich um vorzeitige Wehen handelt.
Senkwehen: dein Baby macht sich bereit
Senkwehen kündigen an, dass dein Baby in Startposition geht. Viele Frauen merken danach, dass sie wieder freier atmen können, weil der Bauch tiefer sitzt. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Blase, und du musst häufiger zur Toilette.
Wehen erkennen: So unterscheidest du Vorwehen von Geburtswehen
Beim Wehen erkennen lautet die wichtigste Frage für die meisten Schwangeren: Sind das noch Vorwehen oder schon echte Geburtswehen? Diese Merkmale helfen dir bei der Einordnung.
- Regelmäßigkeit: Geburtswehen kommen in einem gleichmäßigen Rhythmus, Vorwehen bleiben unregelmäßig.
- Steigerung: Geburtswehen werden mit der Zeit stärker, länger und häufiger. Vorwehen bleiben etwa gleich oder lassen nach.
- Dauer: Eine Geburtswehe dauert anfangs etwa 30 bis 60 Sekunden, später rund eine Minute.
- Reaktion auf Ruhe: Vorwehen werden bei Entspannung oft schwächer. Geburtswehen setzen sich unabhängig davon fort.
- Konzentration: Bei Geburtswehen musst du innehalten und dich aufs Atmen konzentrieren. Ein Gespräch fällt dann schwer.
- Ausstrahlung: Geburtswehen ziehen oft vom Rücken über das Kreuzbein in den Unterbauch.
Der Badewannen-Test
Viele Hebammen empfehlen einen einfachen Test: Nimm ein warmes Bad oder eine warme Dusche und beobachte, was passiert. Werden die Wehen schwächer oder verschwinden, handelt es sich meist um Vorwehen. Bleiben sie gleich oder werden sogar stärker, beginnt wahrscheinlich die Geburt.
Bade nur, wenn die Fruchtblase noch intakt ist und jemand in der Nähe ist. Nach einem Blasensprung solltest du auf das Wannenbad verzichten und dich bei Hebamme oder Klinik melden.
Weitere Anzeichen, dass die Geburt bald beginnt
Nicht nur am Bauch kannst du den Geburtsbeginn erkennen. Neben den Wehen schickt dein Körper oft weitere Signale. Sie treten nicht bei jeder Frau auf und nicht immer in derselben Reihenfolge. Zusammen mit den Wehen helfen sie dir aber, die Situation besser einzuschätzen.
- Abgang des Schleimpfropfs: Der zähe Schleim, der den Muttermund verschließt, löst sich. Er kann leicht blutig sein, man spricht dann vom Zeichnen.
- Blasensprung: Fruchtwasser geht schwallartig oder tröpfchenweise ab. Normalerweise passiert das erst nach Wehenbeginn.
- Rückenschmerzen: Ein dumpfes Ziehen im unteren Rücken kann ein frühes Wehenzeichen sein.
- Verdauungsveränderungen: Manche Frauen haben kurz vor der Geburt weichen Stuhl oder Durchfall.
- Unruhe oder Nestbautrieb: Viele Schwangere verspüren plötzlich Energie und wollen noch alles erledigen.
Das Zeichnen bedeutet nicht, dass es sofort losgeht. Bis zur Geburt können noch Stunden oder sogar Tage vergehen. Fruchtwasser dagegen ist ein klares Signal: Informiere dann deine Hebamme oder mache dich auf den Weg in die Klinik oder das Geburtshaus.
Wehen richtig messen: Abstand und Dauer
Um Wehen erkennen und ihren Verlauf beurteilen zu können, solltest du sie messen. Dafür reicht eine Uhr, ein Zettel oder eine Wehen-App. Wichtig ist, dass du immer gleich misst.
- Notiere den Beginn einer Wehe, also den Moment, in dem der Bauch hart wird.
- Miss, wie lange die Wehe dauert, bis der Bauch wieder weich ist.
- Notiere den Beginn der nächsten Wehe. Der Wehenabstand reicht immer vom Beginn einer Wehe bis zum Beginn der nächsten.
- Beobachte die Werte über mindestens eine halbe bis eine Stunde.
- Achte darauf, ob die Abstände kürzer und die Wehen länger werden.
Laut familienplanung.de kommen Geburtswehen zu Beginn etwa alle 5 bis 20 Minuten. Im weiteren Verlauf werden die Pausen kürzer und die Wehen länger. Einen guten Überblick über die einzelnen Abschnitte gibt der Beitrag Wie verläuft eine Geburt?.
Wie lange die Eröffnungsphase dauert
Die Eröffnungsphase ist in der Regel der längste Abschnitt der Geburt. Bei Erstgebärenden dauert sie oft viele Stunden, bei weiteren Geburten meist deutlich kürzer. Die S3-Leitlinie zur vaginalen Geburt beschreibt die frühe Eröffnungsphase, die Latenzphase, als Zeitspanne bis zu einer Muttermundöffnung von 4 bis 6 Zentimetern.
Gerade diese frühe Phase kannst du oft gut zu Hause verbringen. Bewegung, ein warmes Getränk, leichte Kost und Ruhe zwischen den Wehen helfen dir, Kraft zu sparen. Atemtechniken und Positionen, die dir jetzt guttun, lernst du in einem Geburtsvorbereitungskurs.
Wann solltest du in die Klinik fahren?
Wehen erkennen ist das eine, den richtigen Zeitpunkt für die Fahrt zu finden das andere. Eine feste Regel, die für alle gilt, gibt es nicht. Als Faustregel nennt familienplanung.de beim ersten Kind: Wenn die Wehen etwa eine Stunde lang alle fünf Minuten kommen, ist es Zeit für die Klinik. Ab dem zweiten Kind gilt ein Abstand von etwa zehn Minuten, weil die Geburt oft schneller voranschreitet.
Das Portal Frauenärzte im Netz empfiehlt ebenfalls, bei regelmäßigen Wehen im Abstand von 5 bis 10 Minuten in die Geburtsklinik zu fahren. Details zu den Phasen findest du in der Übersicht zu den Geburtsphasen bei Frauenärzte im Netz.
Berücksichtige außerdem die Fahrtzeit, die Verkehrslage und dein Bauchgefühl. Wenn du unsicher bist, rufe im Kreißsaal an. Die Hebammen dort sind auf solche Anrufe eingestellt und helfen dir bei der Einschätzung. Damit du im entscheidenden Moment nicht suchen musst, sollte deine Tasche bereitstehen; was hineingehört, zeigt unsere Kliniktasche Checkliste.
Warnzeichen: Wann du sofort reagieren musst
Neben dem Wehen erkennen ist es wichtig, Alarmsignale zu kennen. Manche Situationen dulden keinen Aufschub. Fahre umgehend in die Klinik oder rufe den Rettungsdienst unter 112, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Hellrote Blutung, die stärker ist als eine leichte Zeichnungsblutung
- Grünliches, bräunliches oder trübes Fruchtwasser
- Vorzeitiger Blasensprung vor Beginn der Wehen
- Regelmäßige Wehen vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche
- Deutlich weniger oder keine Kindsbewegungen mehr
- Starke Dauerschmerzen im Bauch, die zwischen den Wehen nicht nachlassen
- Fieber, Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen oder Sehstörungen
Ob du nach einem Blasensprung liegend transportiert werden solltest, hängt von deiner individuellen Situation ab. Besprich das am besten schon vorab mit deiner Hebamme oder Ärztin. Wenn du noch keine Hebamme hast, findest du in unserem Ratgeber Hebamme finden hilfreiche Tipps.
Was dir bei den ersten Wehen hilft
Sobald du die ersten Wehen erkennen kannst, beginnt eine Phase, in der du selbst viel beitragen kannst. Je entspannter du bleibst, desto besser kann dein Körper arbeiten. Angst und Anspannung können die Wehen dagegen bremsen.
- Bewegung: Gehen, Kreisen auf dem Gymnastikball oder ein Vierfüßlerstand entlasten den Rücken.
- Wärme: Ein Kirschkernkissen oder eine warme Dusche lindern das Ziehen im Kreuzbein.
- Atmung: Tiefes, langsames Ausatmen hilft dir, durch jede Wehe hindurchzugehen.
- Massage: Deine Begleitperson kann Druck auf das Kreuzbein ausüben oder den Rücken massieren.
- Essen und Trinken: Kleine, leichte Mahlzeiten und regelmäßiges Trinken geben dir Energie.
Werden die Schmerzen später zu stark, stehen dir in der Klinik verschiedene Möglichkeiten der Schmerzlinderung zur Verfügung. Wie die rückenmarksnahe Betäubung funktioniert, liest du in unserem Artikel zur PDA bei der Geburt.
Häufige Fragen zum Thema Wehen erkennen
Wie fühlen sich die ersten echten Wehen an?
Viele Frauen beschreiben die ersten Geburtswehen wie starke Regelschmerzen oder ein Ziehen, das vom Rücken in den Unterbauch ausstrahlt. Der Bauch wird dabei hart. Anders als Vorwehen kommen sie regelmäßig und werden mit der Zeit intensiver.
Woran kann ich Wehen erkennen, wenn sie keine Schmerzen machen?
Achte auf ein regelmäßiges Hartwerden des Bauches, das sich in festen Abständen wiederholt. Lege dazu eine Hand auf den Bauch und miss Abstand und Dauer. Werden die Kontraktionen regelmäßig und häufiger, melde dich bei Hebamme oder Klinik.
Ab welchem Wehenabstand sollte ich in die Klinik fahren?
Als Faustregel gilt beim ersten Kind: etwa eine Stunde lang Wehen alle fünf Minuten. Ab dem zweiten Kind fährst du schon bei einem Abstand von etwa zehn Minuten los. Berücksichtige zusätzlich deine Fahrtzeit.
Wie lange dauert es von den ersten Wehen bis zur Geburt?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei Erstgebärenden kann die Eröffnungsphase viele Stunden dauern, bei weiteren Geburten geht es oft schneller. Eine Prognose für den Einzelfall ist kaum möglich.
Was mache ich bei einem Blasensprung ohne Wehen?
Bei einem vorzeitigen Blasensprung solltest du zügig in die Klinik fahren, weil das Risiko einer Infektion steigt. Achte auf die Farbe des Fruchtwassers. Ist es grünlich oder trüb, fahre sofort los.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung durch deine Hebamme, Ärztin oder deinen Arzt.
