Die ersten Lebenstage deines Babys fühlen sich an wie ein Ausnahmezustand. Zwischen Kuscheln, Stillen und wenig Schlaf stehen schon die ersten U-Untersuchungen an. Sie sind ein kostenloses Angebot der Krankenkassen und begleiten dein Kind von der Geburt bis ins Schulalter.
Gerade die ersten drei U-Untersuchungen haben es in sich. In wenigen Wochen prüfen Hebamme, Kinderärztin und Klinikteam, ob dein Baby gesund in sein neues Leben startet. In diesem Ratgeber erfährst du, was bei jedem Termin passiert, welche Screenings dazugehören und wie du dich gut vorbereitest.
U-Untersuchungen sind Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, die die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen. Die U1 findet direkt nach der Geburt statt, die U2 zwischen dem 3. und 10. Lebenstag und die U3 in der 4. bis 5. Lebenswoche. Ärztinnen und Ärzte prüfen dabei Organe, Reflexe, Wachstum und Entwicklung, um Erkrankungen früh zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln.
U-Untersuchungen: Was steckt hinter dem Programm?
Das Früherkennungsprogramm für Kinder umfasst insgesamt zehn U-Untersuchungen von der U1 bis zur U9, inklusive der U7a. Hinzu kommt die Jugenduntersuchung J1. Grundlage ist die Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie legt fest, wann welche Untersuchung stattfindet und was die Ärztin dabei prüft.
Das Ziel ist klar: Erkrankungen, Fehlbildungen und Entwicklungsverzögerungen sollen so früh wie möglich auffallen. Viele angeborene Störungen lassen sich gut behandeln, wenn die Therapie rechtzeitig beginnt. Deshalb sind die ersten Termine besonders eng getaktet.
Jede Untersuchung hat ein festes Zeitfenster. Nur so lässt sich beurteilen, ob sich dein Kind altersgerecht entwickelt.
Laut Kinder-Richtlinie gibt es zusätzlich Toleranzzeiten. Für die U2 reicht sie bis zum 14. Lebenstag, für die U3 von der 3. bis zur 8. Lebenswoche. Einen guten Überblick über alle Termine bietet das Portal gesund.bund.de zu den Gesundheitsuntersuchungen für Kinder.
Das Gelbe Heft: Dein wichtigstes Dokument
Nach der Geburt bekommst du das Kinderuntersuchungsheft, besser bekannt als Gelbes Heft. Darin dokumentieren Ärztinnen und Ärzte alle Ergebnisse der U-Untersuchungen. Es ist sozusagen der Mutterpass deines Kindes. Wenn du wissen möchtest, wie das Pendant für die Schwangerschaft aufgebaut ist, lies unseren Beitrag Mutterpass erklärt.
Das Heft enthält eine herausnehmbare Teilnahmekarte. Sie bestätigt, dass dein Kind an den Untersuchungen teilgenommen hat, ohne die medizinischen Befunde offenzulegen. Manche Kitas fragen danach. Die Befunde selbst gehen nur dich und die Ärztin etwas an.
Inzwischen lässt sich das Gelbe Heft auch in der elektronischen Patientenakte (ePA) speichern. Bewahre das Papierheft trotzdem gut auf und nimm es zu jedem Termin mit.
U1: Der erste Check direkt nach der Geburt
Die U1 findet in den ersten Minuten nach der Geburt statt, meist noch im Kreißsaal. Hebamme oder Ärztin führen sie durch, während dein Baby oft schon auf deiner Brust liegt. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob dein Kind den Übergang ins Leben gut meistert.
Der Apgar-Test
Kern der U1 ist der Apgar-Test. Er wird nach einer, fünf und zehn Minuten erhoben. Das Team bewertet fünf Merkmale mit jeweils 0 bis 2 Punkten:
- Atmung
- Puls beziehungsweise Herzfrequenz
- Grundtonus, also die Muskelspannung
- Aussehen und Hautfarbe
- Reflexe
Werte von 8 bis 10 gelten als normal. Ein niedrigerer Wert in der ersten Minute ist nicht automatisch ein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, wie sich dein Baby in den folgenden Minuten entwickelt.
Weitere Inhalte der U1
Zusätzlich misst und wiegt das Team dein Baby und bestimmt den Kopfumfang. Aus dem Nabelschnurblut lässt sich der Säurewert bestimmen. Die Ärztin achtet außerdem auf sichtbare Fehlbildungen und Geburtsverletzungen.
Dein Baby erhält bei der U1 die erste Gabe Vitamin K als Tropfen. Vitamin K ist wichtig für die Blutgerinnung und beugt seltenen, aber gefährlichen Blutungen vor. Die Gabe wird bei der U2 und U3 wiederholt.
Neugeborenen-Screenings in den ersten Lebenstagen
Zwischen U1 und U2 laufen mehrere Screenings, die zum Programm der U-Untersuchungen gehören. Sie sind freiwillig, aber Fachleute empfehlen sie dringend. Du musst ihnen zustimmen, die Klinik oder Hebamme klärt dich vorher auf.
Erweitertes Neugeborenen-Screening
Für das Stoffwechselscreening entnimmt das Team ein paar Tropfen Blut aus der Ferse deines Babys. Der ideale Zeitpunkt liegt zwischen der 36. und 72. Lebensstunde. Das Labor sucht nach seltenen angeborenen Stoffwechsel- und Hormonstörungen, etwa einer Schilddrüsenunterfunktion oder Mukoviszidose.
Der G-BA hat das Screening um die Früherkennung eines Vitamin-B12-Mangels und drei sehr seltene Stoffwechselerkrankungen erweitert. Laut Pressemitteilung des G-BA gilt die Erweiterung ab Mai 2026. Ist ein Befund auffällig, meldet sich das Labor zeitnah bei dir.
Hörscreening und Pulsoxymetrie
Beim Hörscreening prüft ein kleines Gerät schmerzfrei, ob beide Ohren normal hören. Es sollte bis zum 3. Lebenstag erfolgen. Ein unauffälliges Ergebnis beim ersten Versuch ist nicht immer möglich, etwa wegen Fruchtwasser im Gehörgang. Dann folgt eine Kontrolle.
Das Pulsoxymetrie-Screening misst über einen Sensor am Fuß den Sauerstoffgehalt im Blut. So lassen sich kritische angeborene Herzfehler früh entdecken. Die Messung erfolgt im Alter von etwa 24 bis 48 Stunden.
Wenn ihr ambulant entbindet oder früh nach Hause geht, übernimmt oft die Hebamme oder die Kinderarztpraxis die Screenings. Kläre das am besten schon vor der Geburt.
U2: Die gründliche Untersuchung in der ersten Woche
Die U2 steht zwischen dem 3. und 10. Lebenstag an. Kommt dein Baby in der Klinik zur Welt, findet sie häufig noch dort statt. Nach einer ambulanten Geburt gehst du mit deinem Baby in die Kinderarztpraxis.
Bei der U2 untersucht die Kinderärztin dein Baby von Kopf bis Fuß. Sie hört Herz und Lunge ab, tastet den Bauch ab und prüft die Reflexe. Auch Haut, Augen, Ohren, Mund und Genitalien schaut sie sich genau an.
Typische Inhalte der U2
- Kontrolle von Gewicht, Länge und Kopfumfang
- Untersuchung der Organe und Sinnesorgane
- Prüfung der Neugeborenenreflexe wie Saug- und Greifreflex
- Beurteilung einer möglichen Neugeborenengelbsucht
- zweite Gabe Vitamin K
- Rezept beziehungsweise Empfehlung für Vitamin D, oft kombiniert mit Fluorid
- Hüftultraschall, wenn ein erhöhtes Risiko für eine Hüftdysplasie besteht
Die Stuhlfarbkarte
Bei der U2 bekommst du eine Stuhlfarbkarte. Mit ihr vergleichst du in den ersten Wochen die Farbe der Windelinhalte. Heller, lehmfarbener oder entfärbter Stuhl kann auf eine seltene Erkrankung der Gallenwege hinweisen. Dann solltest du umgehend die Kinderarztpraxis kontaktieren.
Die U2 ist auch ein Beratungstermin. Die Ärztin spricht mit dir über das Stillen, die Ernährung und die Vorbeugung des plötzlichen Kindstods. Nutze die Gelegenheit für deine Fragen. Tipps für einen entspannten Start an der Brust findest du in unserem Artikel Stillen lernen: die besten Positionen.
U3: Hüftultraschall und erste Entwicklungsschritte
Die U3 findet in der 4. bis 5. Lebenswoche statt. Dein Baby ist jetzt schon etwas wacher, und die Ärztin kann besser beurteilen, wie es sich entwickelt. Der Termin fällt mitten ins Wochenbett, plane ihn deshalb frühzeitig ein.
Hüftsonografie
Ein fester Bestandteil der U3 ist der Hüftultraschall, falls er nicht schon bei der U2 erfolgt ist. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Sie zeigt, ob die Hüftgelenke richtig ausgebildet sind.
Eine Hüftdysplasie lässt sich in diesem Alter meist gut behandeln, zum Beispiel mit einer Spreizhose. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten.
Weitere Inhalte der U3
- Kontrolle von Gewicht, Länge und Kopfumfang
- Untersuchung von Herz, Lunge, Augen und Ohren
- Prüfung der Reflexe und der Körperhaltung
- Tasten der Fontanelle
- dritte Gabe Vitamin K
- Beratung zu Impfungen, Ernährung und Schlaf
Bei allen U-Untersuchungen beobachtet die Ärztin auch, wie du und dein Baby miteinander umgehen. Das ist keine Prüfung für dich. Es geht darum, Unterstützung anzubieten, falls du dich überfordert fühlst oder dein Baby sehr viel weint.
Die U3 ist zudem ein guter Moment, um über die anstehenden Impfungen zu sprechen. Die ersten Impfungen empfiehlt die STIKO ab einem Alter von wenigen Wochen.
So bereitest du dich auf die U-Untersuchungen vor
Ein bisschen Planung rund um die U-Untersuchungen nimmt dir Stress ab. Gerade in den ersten Wochen hilft es, wenn du die Termine nicht zusätzlich organisieren musst. Diese Schritte haben sich bewährt:
- Suche dir schon in der Schwangerschaft eine Kinderarztpraxis, die neue Patientinnen und Patienten aufnimmt.
- Vereinbare den Termin für die U3 direkt nach der Geburt oder bei der U2.
- Lege das Gelbe Heft, die Versichertenkarte und den Impfpass griffbereit in die Wickeltasche.
- Notiere dir vorab Fragen zu Schlaf, Trinkverhalten, Verdauung oder Hautauffälligkeiten.
- Plane Zeit ein, damit dein Baby vor dem Termin trinken kann und entspannt ist.
- Bring eine Wechselwindel, ein Spucktuch und eine Decke mit.
Auch die Formalitäten laufen in dieser Zeit. Damit du die U2 und U3 problemlos abrechnen kannst, sollte dein Baby bei der Krankenkasse angemeldet sein. Dafür brauchst du die Geburtsurkunde, mehr dazu liest du in unserem Beitrag zur Geburtsurkunde und Anmeldung beim Standesamt.
Die Hebamme als Begleiterin
Deine Hebamme sieht dein Baby im Wochenbett regelmäßig. Sie wiegt es, achtet auf Gelbsucht und den Nabel und kann viele Fragen zwischen den Terminen beantworten. Falls du noch keine Hebamme hast, findest du in unserem Ratgeber Hebamme finden hilfreiche Tipps.
Wie geht es nach der U3 weiter?
Nach den ersten drei U-Untersuchungen werden die Abstände größer. Die U4 folgt im 3. bis 4. Lebensmonat. Dann prüft die Ärztin unter anderem, ob dein Baby den Kopf halten kann, Gegenständen mit dem Blick folgt und erste Laute bildet.
Danach schließen sich diese Termine an:
- U5 im 6. bis 7. Lebensmonat
- U6 im 10. bis 12. Lebensmonat
- U7 mit etwa 2 Jahren
- U7a mit etwa 3 Jahren
- U8 mit etwa 4 Jahren
- U9 mit etwa 5 Jahren vor der Einschulung
In vielen Bundesländern gibt es ein Einladungs- oder Erinnerungswesen. Nimmt dein Kind an einer Untersuchung nicht teil, bekommst du eine Erinnerung. Die konkreten Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland. Mehr Hintergründe liefert das Bundesgesundheitsministerium zur Früherkennung bei Kindern.
Findet eine U-Untersuchung außerhalb des vorgesehenen Zeitraums statt, kann die Krankenkasse die Kosten unter Umständen nicht übernehmen. Behalte die Zeitfenster der U-Untersuchungen deshalb im Blick und trage die Termine in deinen Kalender ein.
Häufige Fragen zu U-Untersuchungen
Sind die U-Untersuchungen Pflicht?
Eine bundesweite Pflicht gibt es nicht, die Teilnahme ist freiwillig. Viele Bundesländer haben aber ein verbindliches Einladungs- und Meldewesen eingeführt. Bleibt eine Untersuchung aus, wirst du erinnert, in manchen Fällen informiert die Behörde auch das Gesundheitsamt.
Was kosten die U-Untersuchungen?
Für gesetzlich Versicherte sind die U-Untersuchungen kostenlos, die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Auch private Krankenversicherungen zahlen in der Regel dafür. Wichtig ist, dass der Termin im vorgesehenen Zeitfenster liegt.
Wann findet die U2 statt, wenn wir früh nach Hause gehen?
Die U2 ist zwischen dem 3. und 10. Lebenstag vorgesehen. Gehst du vorher nach Hause, machst du einen Termin in der Kinderarztpraxis. Kläre am besten schon in der Schwangerschaft, welche Praxis dein Baby aufnimmt.
Wie lange dauert eine U-Untersuchung?
Die Dauer hängt von der Praxis, deinem Baby und deinen Fragen ab. Plane großzügig Zeit ein, inklusive Wartezeit und einer Stillpause. Ein Hüftultraschall verlängert die U3 nur um wenige Minuten.
Was passiert, wenn ein Befund auffällig ist?
Ein auffälliger Befund ist zunächst ein Hinweis, keine Diagnose. Die Ärztin veranlasst weitere Untersuchungen oder überweist dich an eine Fachpraxis. Viele Auffälligkeiten erweisen sich bei der Kontrolle als harmlos.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung durch deine Hebamme, Ärztin oder deinen Arzt.
