Mutterpass erklärt: Alle Einträge und Abkürzungen verständlich

Blutgruppe, Gravidogramm, Katalog A und B: So verstehst du jede Seite und jede Abkürzung in deinem Mutterpass.

Mutterpass erklärt: Alle Einträge verständlich

Beim ersten Termin in der Frauenarztpraxis bekommst du ein kleines Heft in die Hand gedrückt, das dich die nächsten Monate begleiten wird. Der Mutterpass sammelt alle wichtigen Befunde deiner Schwangerschaft. Doch spätestens beim Blick ins Gravidogramm fragen sich viele: Was bedeuten all diese Kürzel, Kreuze und Zahlen?

Dieser Artikel führt dich Seite für Seite durch dein Heft. Du erfährst, welche Untersuchungen dort dokumentiert werden, was die wichtigsten Abkürzungen bedeuten und warum du den Pass ab sofort immer bei dir tragen solltest.

Der Mutterpass ist ein Dokument im Format DIN A6, in das Ärztin oder Hebamme alle Vorsorgebefunde deiner Schwangerschaft eintragen. Er enthält Blutgruppe, Laborwerte, Vorgeschichte, Risikofaktoren, Ultraschallbefunde und den Verlauf jeder Untersuchung. Im Notfall erhalten Klinik und Rettungsdienst so sofort alle wichtigen Informationen.

Was ist der Mutterpass und wofür brauchst du ihn?

Grundlage des Mutterpasses sind die Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses. Sie legen fest, welche Vorsorgeleistungen dir als gesetzlich Versicherte zustehen und wie diese dokumentiert werden. Das Muster des Passes ist dort als eigene Anlage festgelegt. Die aktuelle Fassung findest du direkt beim G-BA unter Mutterschafts-Richtlinien.

Deine Ärztin stellt dir den Pass so früh wie möglich aus, meist sobald die Schwangerschaft im Ultraschall bestätigt ist. Ab dann gehört er zu jedem Termin, egal ob in der Praxis, bei der Hebamme oder in der Klinik.

Der Mutterpass erfüllt drei zentrale Aufgaben:

  • Information: Alle Fachleute sehen auf einen Blick, wie deine Schwangerschaft bisher verlaufen ist.
  • Sicherheit: Im Notfall liegen Blutgruppe, Antikörper und Risiken sofort vor.
  • Kontinuität: Wechselst du Praxis oder Hebamme, geht kein Befund verloren.

Ein digitaler Mutterpass als Teil der elektronischen Patientenakte ist zwar geplant, im Praxisalltag bleibt das gelbe Papierheft aber vorerst der Standard. Bewahre es auch nach der Geburt gut auf, denn bei einer weiteren Schwangerschaft sind die Angaben wieder wichtig.

Mutterpass Seite für Seite: Der Aufbau

Das Heft folgt einem festen Schema. Wer die Logik einmal verstanden hat, findet sich schnell zurecht. Die folgende Übersicht orientiert sich an der Darstellung des Berufsverbands der Frauenärzte auf frauenaerzte-im-netz.de.

  1. Seite 2 und 3: Blutgruppe, Rhesusfaktor, Antikörper und Infektionstests
  2. Seite 4: frühere Schwangerschaften und Beratungsthemen
  3. Seite 5 und 6: Anamnese, Befunde (Katalog A und B) und Geburtstermin
  4. Seite 7 und 8: das Gravidogramm mit allen Vorsorgeterminen
  5. Seite 9: Notizen, Klinikaufenthalte und CTG
  6. Seite 10 bis 13: Ultraschallbefunde und Wachstumskurven
  7. Seite 15 und 16: Abschlussuntersuchung und Nachsorge nach der Geburt
Ärztin trägt Befunde in den Mutterpass ein, die Schwangere sitzt ihr gegenüber

Laborwerte im Mutterpass: Blutgruppe, Antikörper, Infektionen

Die ersten Seiten dokumentieren die Laboruntersuchungen, die meist beim ersten oder zweiten Vorsorgetermin stattfinden. Viele Werte begleiten dich ein Leben lang.

Blutgruppe und Rhesusfaktor

Hier stehen deine Blutgruppe (A, B, AB oder 0) und dein Rhesusfaktor. Diese Angaben sind wichtig, falls du eine Bluttransfusion brauchst. Bist du rhesus-negativ, kann dein Körper Antikörper gegen ein rhesus-positives Kind bilden.

Deshalb gibt es für rhesus-negative Schwangere seit einigen Jahren einen Bluttest ab der 11. SSW, der den Rhesusfaktor des Babys bestimmt. Ist das Kind rhesus-positiv, erhältst du zwischen der 27. und 29. SSW eine Anti-D-Prophylaxe als Spritze, die nach der Geburt bei Bedarf wiederholt wird.

Antikörpersuchtest

Der Antikörpersuchtest prüft, ob dein Blut Antikörper gegen fremde Blutgruppenmerkmale enthält. Er findet zu Beginn der Schwangerschaft statt und wird zwischen der 24. und 27. SSW wiederholt. Auffällige Befunde klärt die Praxis gezielt ab.

Röteln

Ein Röteln-Antikörpertest ist nur nötig, wenn keine zwei Impfungen oder keine frühere Immunität dokumentiert sind. Röteln können dem ungeborenen Kind schwer schaden. Bist du nicht immun, meidest du Kontakt zu Erkrankten und lässt dich nach der Geburt impfen.

Infektionstests

Auf Seite 3 finden sich weitere Untersuchungen:

  • Chlamydien: Test aus einer Urinprobe
  • LSR (Lues-Such-Reaktion): Syphilis-Test, eingetragen wird nur, dass er erfolgt ist
  • HBsAg: Test auf Hepatitis B, seit Juli 2023 bereits früh in der Schwangerschaft
  • HIV: freiwilliger Test nach Beratung, dokumentiert wird nur die Durchführung
  • Toxoplasmose: Kassenleistung nur bei begründetem Verdacht

Dass beim Syphilis- und HIV-Test nur die Durchführung vermerkt wird, schützt deine Privatsphäre. Das Ergebnis bespricht deine Ärztin persönlich mit dir.

Zusatzuntersuchungen außerhalb der Richtlinien

Nicht jede Untersuchung, die dir angeboten wird, gehört zu den Kassenleistungen. Ein Beispiel ist der Abstrich auf B-Streptokokken gegen Ende der Schwangerschaft. Die Fachgesellschaft der Frauenärzte empfiehlt ihn, die gesetzlichen Kassen zahlen ihn jedoch nur in bestimmten Risikosituationen. Ohne Risiko trägst du die Kosten als individuelle Gesundheitsleistung selbst.

Auch ein Toxoplasmose-Test ohne konkreten Verdacht ist eine Selbstzahlerleistung. Lass dir vor jeder Zusatzuntersuchung erklären, welchen Nutzen sie in deiner Situation hat und was sie kostet. Die Ergebnisse trägt die Praxis ebenfalls in deinen Mutterpass ein, meist im Bereich für Notizen.

Blutprobe im Labor für die Laborwerte im Mutterpass

Vorgeschichte, Katalog A und Katalog B

Frühere Schwangerschaften und Beratung

Auf Seite 4 trägt die Praxis frühere Schwangerschaften ein: Jahr, Verlauf, Geburtsmodus, Komplikationen sowie Gewicht und Geschlecht des Kindes. Auch Fehlgeburten, Abbrüche oder Eileiterschwangerschaften werden vermerkt. Diese Angaben helfen, Risiken für die jetzige Schwangerschaft einzuschätzen.

Außerdem kreuzt die Ärztin an, worüber sie dich beraten hat. Dazu zählen Ernährung, Medikamente, Alkohol und Rauchen, Sport, Reisen, Arbeit, Zahngesundheit und der HIV-Test.

Katalog A: Deine Anamnese

Beim ersten Termin erfragt die Praxis deine Krankengeschichte. Katalog A listet Punkte wie Vorerkrankungen, Allergien, frühere Operationen, familiäre Belastungen oder ein Alter unter 18 beziehungsweise über 35 Jahre. Ein Kreuz bei Ja bedeutet nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt.

Katalog B: Befunde im Verlauf

Katalog B erfasst Besonderheiten, die während der Schwangerschaft auftreten. Dazu gehören etwa Mehrlinge, Blutungen, vorzeitige Wehen, Bluthochdruck, Wassereinlagerungen, Infektionen, Probleme mit der Plazenta oder Schwangerschaftsdiabetes. Den Zuckerbelastungstest bietet dir die Praxis zwischen 24+0 und 27+6 an. Mehr dazu liest du in unserem Artikel Schwangerschaftsdiabetes: Test, Werte, Behandlung.

Mehrere Kreuze in den Katalogen können zur Einstufung als Risikoschwangerschaft führen. Das klingt beunruhigend, bedeutet aber meist nur engmaschigere Kontrollen. Viele Risikoschwangerschaften verlaufen völlig unkompliziert.

Der errechnete Geburtstermin

Ebenfalls auf Seite 6 steht dein voraussichtlicher Entbindungstermin. Er basiert auf dem ersten Tag deiner letzten Periode und deiner Zykluslänge und kann nach dem ersten Ultraschall korrigiert werden. Wie die Berechnung funktioniert, erklärt unser Ratgeber zum Geburtstermin berechnen. Nach diesem Termin richtet sich auch deine Mutterschutzfrist.

Die Schutzfrist beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Termin und endet in der Regel acht Wochen nach der Geburt, bei Früh- oder Mehrlingsgeburten später. Für Arbeitgeber und Krankenkasse brauchst du dafür eine ärztliche Bescheinigung über den voraussichtlichen Entbindungstermin. Alle Fristen und das Mutterschaftsgeld erklärt dir unser Ratgeber zum Mutterschutz.

Das Gravidogramm: Herzstück im Mutterpass

Auf den Seiten 7 und 8 befindet sich das Gravidogramm. Jede Zeile steht für einen Vorsorgetermin. Bis zur 32. SSW finden die Termine etwa alle vier Wochen statt, danach alle zwei Wochen.

In den Spalten dokumentiert die Praxis:

  • Datum und SSW: in der Schreibweise Wochen plus Tage, zum Beispiel 15+3
  • Fundusstand: die Höhe der Gebärmutter, ertastet oder als Abstand zum Schambein in Zentimetern
  • Kindslage: ab dem letzten Drittel relevant
  • Herztöne und Kindsbewegungen: ob sie nachweisbar sind
  • Ödeme und Varikosis: Wassereinlagerungen und Krampfadern
  • Gewicht und Blutdruck: bei jedem Termin
  • Hb-Wert: der Hämoglobinwert zeigt eine mögliche Blutarmut
  • Urin: Eiweiß und Zucker, bei Bedarf weitere Werte
  • Vaginaler Befund: Länge, Festigkeit und Öffnung des Muttermunds
  • Risikonummer: Verweis auf den passenden Punkt in Katalog B

Ein Minuszeichen bedeutet etwa bei Ödemen oder Urinwerten meist, dass nichts gefunden wurde. Bei Unklarheiten fragst du am besten direkt beim Termin nach.

Die wichtigsten Abkürzungen im Mutterpass

Viele Einträge bestehen aus Kürzeln. Diese Liste hilft dir beim Entschlüsseln:

  • SSW: Schwangerschaftswoche
  • ET: errechneter Entbindungstermin
  • SL: Schädellage, das Kind liegt mit dem Kopf nach unten
  • BEL: Beckenendlage, das Kind liegt mit dem Po nach unten
  • QL: Querlage
  • RR: Blutdruck, benannt nach dem Arzt Riva-Rocci
  • Hb: Hämoglobin, der rote Blutfarbstoff
  • LSR: Lues-Such-Reaktion, also der Syphilis-Test
  • HBsAg: Oberflächenantigen des Hepatitis-B-Virus
  • CTG: Kardiotokografie, die Aufzeichnung von Herztönen und Wehen
  • N/0: der Fundus steht auf Höhe des Nabels, typischerweise um die 24. SSW
  • o.B.: ohne Befund, also unauffällig

Ein CTG gehört übrigens nicht zur Routine. Es kommt laut Richtlinien ab der 25. SSW zum Einsatz, wenn es dafür einen medizinischen Grund gibt.

Ultraschall und Nachsorge im Mutterpass

Die Seiten 10 bis 13 gehören den Ultraschalluntersuchungen. Die drei Basis-Screenings finden zwischen der 9. und 12., der 19. und 22. sowie der 29. und 32. SSW statt. Alles zu diesen Terminen liest du in unserem Beitrag über Ultraschall in der Schwangerschaft.

Die Ärztin trägt Messwerte wie Kopfdurchmesser, Bauchumfang und Oberschenkellänge ein. Auf den Wachstumskurven siehst du, ob sich dein Baby altersgerecht entwickelt. Einzelne Ausreißer sind normal, wichtig ist der Verlauf über mehrere Messungen.

Ultraschallgerät in der Praxis: Die Messwerte werden im Mutterpass dokumentiert

Die letzten Seiten füllt die Klinik oder Hebamme nach der Geburt aus. Dort stehen Angaben zu Geburtsverlauf, Wochenbett und dem Zustand deines Babys. Die zweite Nachuntersuchung findet etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt statt.

Praktische Tipps für deinen Mutterpass

Damit dein Pass seine Aufgabe erfüllen kann, helfen ein paar einfache Gewohnheiten:

  1. Immer dabeihaben: Steck den Mutterpass in deine Handtasche, auch auf Reisen.
  2. Schutzhülle nutzen: Eine einfache Hülle schützt vor Knicken und Flecken.
  3. Fragen notieren: Schreib Unklarheiten auf und sprich sie beim nächsten Termin an.
  4. Kliniktasche packen: Der Pass gehört ganz oben in deine Kliniktasche.
  5. Kopie anfertigen: Ein Foto auf dem Handy hilft, falls du das Heft einmal vergisst.

Hast du Sorgen wegen eines Eintrags, sprich deine Ärztin oder Hebamme direkt an. Sie erklären dir gern, was hinter den Zahlen steckt. Einen Überblick über alle Vorsorgeleistungen bietet außerdem das Gesundheitsportal des Bundes zur Schwangerschaftsvorsorge.

Häufige Fragen zum Mutterpass

Wann bekommt man den Mutterpass?

Deine Frauenärztin stellt dir den Mutterpass so früh wie möglich aus, meist sobald die Schwangerschaft per Ultraschall bestätigt ist. Das ist häufig zwischen der sechsten und zehnten Schwangerschaftswoche der Fall. Auch Hebammen können den Pass ausstellen.

Muss ich den Mutterpass immer dabeihaben?

Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht, es ist aber dringend empfehlenswert. Im Notfall sehen Rettungsdienst und Klinik sofort deine Blutgruppe, Risiken und den bisherigen Verlauf. Nimm ihn deshalb zu jedem Termin und auf jede Reise mit.

Was bedeutet SL im Mutterpass?

SL steht für Schädellage. Das Baby liegt mit dem Kopf nach unten im Becken, was die günstigste Position für eine natürliche Geburt ist. BEL bedeutet dagegen Beckenendlage und QL Querlage.

Was passiert, wenn ich den Mutterpass verliere?

Melde dich in deiner Frauenarztpraxis, denn dort sind alle Befunde gespeichert. Die Praxis kann dir einen neuen Pass ausstellen und die bisherigen Ergebnisse übertragen. Ein Foto der wichtigsten Seiten auf dem Handy erleichtert die Übergangszeit.

Was bedeutet ein Kreuz in Katalog A oder B?

Ein Kreuz zeigt an, dass ein bestimmter Punkt aus der Vorgeschichte oder dem Verlauf auf dich zutrifft. Das kann zur Einstufung als Risikoschwangerschaft führen. Meist bedeutet das lediglich häufigere Kontrollen und keinen Grund zur Sorge.

Wie lange sollte man den Mutterpass aufbewahren?

Bewahre den Mutterpass dauerhaft auf. Er enthält Angaben wie Blutgruppe, Antikörper und den Verlauf früherer Schwangerschaften, die bei einer weiteren Schwangerschaft oder Operation wichtig werden können.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung durch deine Hebamme, Ärztin oder deinen Arzt.

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